Produktionsanläufe sind komplexe, durch zunehmende Aufgaben- und Kompetenzvergabe in Lieferantenrichtung
gekennzeichnete Wertschöpfungsprozesse. Hierbei wurde der Integration von KMU in die logistischen Beschaffungsprozesse
von Anlaufteilen bisher zu wenig Beachtung geschenkt. Im Vordergrund steht die Frage der ausgewogenen Bewertung von
Qualität, Zeit und Kosten, um den Anlaufprozess möglichst optimal steuern zu können. Für alle Einzelteile eines Produktes
besteht ein Risiko bezüglich Konstruktionsänderungen. Trotzdem muss bestimmt werden, wann die Umstellung von der Prototypen-,
zur Vorserien- und dann zur Serienfertigung stattfindet. Je früher im Produktionsanlauf die Übergänge stattfinden, desto
besser können Serienanlagen kalibriert und erprobt werden, zudem sind seriennahe Bauteile kostengünstiger herzustellen.
Ein späterer Zeitpunkt hingegen vermeidet Änderungskosten, jedoch besteht das Risiko, den Markteintrittszeitpunkt bei
einem vordefinierten Qualitätsniveau nicht einhalten zu können. Hierzu wurde ein System zur Anlaufteilesteuerung
entwickelt, das die erforderlichen Prozesse bewertet, ordnet und handhabbar macht.
Bei Anlaufteilen bestehen in der Industrie hohe Unsicherheiten in verschiedenen Dimensionen (Reifegrad, Qualität,
Fertigungsprozesse, Erprobungsschleifen, ...). Deshalb ist die Steuerung deutlich komplexer als bei Serienteilen. Da
komplexe Produkte aus immer mehr verschiedenen Einzelteilen bestehen, entsteht durch die Erstellung von Anlaufteilen
ein hoher Aufwand an administrativen Tätigkeiten, die kaum durch geeignete Systeme unterstützt und vereinfacht werden.
Aus diesem Grund bestand für dieses Forschungsvorhaben das Ziel, eine generische Systemstudie für eine
unternehmensübergreifende Anlaufteilesteuerung mit Lastenheftcharakter zu erstellen. Ausgehend von einer empirischen
Studie, in der Erfolgsfaktoren ermittelt wurden (als IPRI Research Paper Nr. 7 erschienen), wurden Gestaltungsempfehlungen
zusammengestellt. Diese lassen sich in „harte“ und „weiche“ Aspekte unterteilen.
Zu den „weichen“ Aspekten, wie z. B. Vertrauen bzw. offene Zusammenarbeit, zählen in der Studie nachgewiesene Erfolgsfaktoren,
die sich eher indirekt und langfristig durch die Implementierung verschiedener Instrumente und Methoden umsetzen lassen.
Als „hartes“ Ergebnis entsteht derzeit noch eine Systemstudie mit Lastenheftcharakter, die eine unternehmensübergreifende
Steuerungsplattform für die Anlaufphase beschreibt. Insbesondere sind hier Risiken und Prozessunsicherheiten von Bedeutung,
wodurch die Terminplanung erschwert wird. Neben der Planung erfolgt auf dieser Plattform auch eine Fortschreibung von KPI,
die die Zieldimensionen des Anlaufs repräsentieren.